Low fares. Made terrible.

Low fares. Made terrible.

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ – wer seine Reise mit Ryanair plant, kann das alte Zitat von Matthias Claudius umdichten zu „Wenn jemand keine Reise tut, so kann er genauso gut was erzählen.“ Die irische Fluggesellschaft vermag es vortrefflich, einen vom Reisen abzuhalten. Ein Beispiel hierfür ist mein letzter geplanter Flug von Berlin nach London am 21.09.2018. Von Freitag bis Sonntag wollte ich dort eine Freundin besuchen, klassischer Kurztrip also.

Die Anreise zum Flughafen Schönefeld und der Security Check verliefen reibungslos, alles war entspannt, die Flughafenmitarbeiter waren sogar überaus freundlich. Der Ryanair-Flug zum Flughafen London-Stansted sollte planmäßig um 18:15 Uhr starten, allerdings meldete die Anzeigetafel schon anderthalb Stunden vorher, dass das Gate erst um 18:25 Uhr bekannt gegeben wird. An sich nicht verwunderlich, da an diesem Tag das Sturmtief Elena einige Flugpläne durcheinander wirbelte. Also versuchte ich, auf diesem unwirtlichen Flughafen eine ruhige Ecke zu finden, in der es nicht zog wie Hechtsuppe, um mir die Zeit mit Lesen zu vertreiben. Für Wetterkapriolen kann eine Fluggesellschaft natürlich nichts.

Round and round we go…

Um 18:03 Uhr erhielt ich eine SMS von Ryanair, dass sich der Abflug auf 19:50 Uhr verspätet. um 18:45 Uhr schaute ich sicherheitshalber trotzdem nochmal auf die Anzeigetafel, und siehe da, das Boarding war bereits gestartet. Also begab ich mich zum Gate und zur Passkontrolle. Zügig fuhren die Transferbusse vor, die die Passagiere zum Flugzeug bringen sollten. Gegen 19:20 Uhr hielten wir auf dem Rollfeld vor einer Ryanair-Maschine an. Aus dem vor uns fahrenden Bus stieg niemand aus und auch wir mussten verharren, ohne jegliche Information zu erhalten, warum es nicht weiterging. 5 Minuten lang passierte nichts, dann fuhr der Bus wieder los. Und zwar schnurstracks zurück zu dem Gate, das wir eben verlassen hatten. Hatte sich der Busfahrer verfahren?

Alles zurück auf Null

Zurück am Terminalgebäude stiegen alle Passagiere aus. Die ersten wurden unruhig und forderten Informationen beim Flughafenpersonal an, manche schon mit deutlichem Nachdruck und Aggression. Inzwischen waren seit dem ursprünglich geplanten Abflug anderthalb Stunden vergangen. Nach 10 Minuten quälender Wartezeit gab es endlich eine Durchsage, in der es hieß, dass das Flugzeug einen technischen Defekt hätte und wir erstmal eine halbe Stunde am Gate warten sollten. Man würde versuchen, ein anderes Flugzeug aus Stansted ranzukriegen; weitere Informationen würden folgen.

Eine SMS von Ryanair um 19:42 Uhr brachte so etwas wie Klarheit: Voraussichtliche neue Abflugzeit sei um 23:15 Uhr. Nicht alle Passagiere hatten diese SMS erhalten, also verbreitete sich diese Nachricht nur langsam. Die Angestellten vor Ort wussten auf Nachfrage nichts von der neuen Uhrzeit. Kommunikation scheint nicht so die Stärke der Fluggesellschaft zu sein.

Deboarding – eine völlig neue Erfahrung

Erst um 20:15 Uhr kam eine weitere Durchsage, dass wir nun deboarded werden, weil wir nicht in dem Gebäude bleiben könnten. Ein Mann, der die ganze Zeit entspannt Zeitung gelesen und Rotwein geschlürft hatte, wurde plötzlich aggressiv. „Ich verlasse dieses Gebäude nicht! Ich gehe nirgendwohin!“ Auch andere wurden unruhig, sodass die Security einschritt und versuchte, eine beschwichtigende Durchsage zu machen, ohne Mikrofon. Eine Frau im Business Look konnte nicht mehr an sich halten und brüllte auf Englisch herum, dass sie kein Wort verstehe und dass das alles nicht wahr sein könne. Auch noch im Bus, der uns zur Passkontrolle im Ankunftsgebäude brachte, konnte sie sich nicht beruhigen und legte sich mit anderen Mitreisenden an, die sie zu besänftigen versuchten, inklusive meiner Wenigkeit. Andere Passagiere nahmen es halbwegs mit Humor und überlegten, ob es schneller ginge, mit dem Auto nach London zu fahren.

Was bleibt, ist Schweigen

Nach der erneuten Passkontrolle standen nun alle verwirrt im Ankunftsgebäude, die Anzeigetafel enthielt keine neue Abflugzeit. Wieder fühlte man sich von Ryanair komplett allein gelassen. Ein Brite, der sich im Duty Free Shop ein kleines Fass Bier gekauft hatte, fragte in die Runde, ob wir durstig seien – er würde das Bier natürlich nicht durch den Security Check bringen können. Falls wir überhaupt noch Berlin verlassen sollten…

Nun war Funkstille, es gab keinerlei Information. Also begab ich mich zum Ryanair-Terminal, in dem immerhin ein Schalter mit zwei Mitarbeiterinnen besetzt war. Diese informierten über die Fluggastrechte und stellten Essensvoucher im Wert von 5 € aus – das reichte immerhin für ein belegtes Sandwich. Aber wann genau der Flieger nach London nun gehen würde, konnten auch sie nicht mit Sicherheit sagen. Es wäre wohl eine Maschine aus Stansted unterwegs, die gegen 23:00 Uhr in Berlin eintreffen sollte. Mit der Aussicht darauf, dass der letzte Zug bei Ankunft gerade weg sein würde und die Weiterfahrt in die City noch ewig dauern würde, sagte ich meiner Freundin den Besuch schließlich ab und fuhr nach Hause.

Die Moral von der Geschicht‘

Später verfolgte ich anhand der Flugnummer, ob es die anderen Passagiere jemals nach London geschafft hatten – tatsächlich startete der Flieger um 0:00 Uhr in Berlin und erreichte London um 0:49 Uhr Ortszeit, knappe 6 Stunden nach der eigentlich geplanten Ankunftszeit. Gemäß der EU-Verordnung gab es natürlich eine Entschädigung und Mehraufwände für die Weiterreise wurden rückerstattet, aber was nützt das Geld, wenn man eine nervenaufreibende Reise hinter sich hat – und womöglich auch noch mit Ryanair wieder zurückfliegen muss.

Vermutlich bin ich nun nicht die Einzige, die Ryanair nach diesem Erlebnis bei zukünftigen Reisen meiden wird.

Eine Sache muss man ihnen aber zugutehalten: Die Rückerstattung meiner Flugkosten ging irrsinnig schnell. Noch am Reisetag beantragt, hatte ich am nächsten Tag schon die Kosten für meine gesamte Buchung zurückerstattet bekommen. Ein kleiner Wermutstropfen angesichts des vermasselten Kurztrips.

Gastbeitrag von der Anne 🙂

Schmidt Touristik

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